Township Tour Kapstadt mit Kindern: Unsere Erfahrung in Langa

Sollen wir wirklich ein Township mit unserem Sohn in Kapstadt anschauen?
Diese Frage haben wir uns vor unserer Südafrika-Reise gestellt.
Eine Township Tour ist keine normale Stadtführung. Fremde schauen auf das Leben von Menschen, die in Armut leben. Das kann sich schnell falsch anfühlen.
Wir haben uns trotzdem dafür entschieden.
Am Ende war es einer der eindrücklichsten Vormittage unserer ganzen Reise.
Die Tour war Teil unseres dreitägigen Städtetrips durch Kapstadt. Den kompletten Ablauf mit Tafelberg, Camps Bay und Bo-Kaap findest du in unserem Beitrag Kapstadt mit Kindern: Tafelberg, Camps Bay und Bo-Kaap.
Township Tour Kapstadt mit Kindern: Das Wichtigste in Kürze
- 🚐 Anbieter Camissa Travel, gesamte Tour etwa 3 bis 3,5 Stunden
- 👦 frühestens ab 8 Jahren empfehlenswert
- 🗣️ Zwei Guides: einer fährt, der zweite führt zu Fuß durch Langa
- 📸 Fotos nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Menschen vor Ort
Wenn ihr eure Südafrika-Reise gerade plant, findet ihr hier alle wichtigen Schritte zur Vorbereitung für Südafrika mit Kindern.
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Ist eine Township Tour ethisch vertretbar? Unsere Gedanken vorher
Ein Township ist keine Touristenattraktion. Dort leben Menschen, die durch die Apartheid in diese Viertel gezwungen wurden und die bis heute oft in sehr beengten Verhältnissen leben. Genau deshalb haben wir vorher gründlich überlegt und darüber als Familie gesprochen.
Wir kommen aus einem Leben im Überfluss und sehen Familien, bei denen zum Beispiel drei Familien gemeinsam auf wenigen Quadratmetern leben. Wo Kinder am Boden und manche Familienmitglieder im Gemeinschaftsraum schlafen müssen. Das kann sich schnell wie Begaffen anfühlen.

Unser Guide vor Ort hat unsere Bedenken sogar angesprochen. Und das bevor wir überhaupt danach gefragt haben.
Er meinte, die Menschen im Township sehen Besucher nicht als Feinde. Der Tourismus bringt Einnahmen. Und er sorgt dafür, dass die Menschen dort “sichtbar” bleiben und nicht von der Regierung verdrängt werden können.
Deshalb hat er uns sogar ausdrücklich ermutigt, viele Fotos zu machen und zu teilen.
Warum wir uns für die Tour entschieden haben:
- Beide Guides leben selbst im Township, die Führung liegt in ihrer Hand
- Spenden bleiben direkt bei den Familien
- Erlöse aus dem Craft Shop dort gehen direkt vor Ort in die Community
Kapstadt zeigt sich sonst fast nur von seiner schönen Seite. Diese andere Seite auszublenden, war für uns keine Option.
Ob eine Township Tour mit Kindern sinnvoll ist, hängt stark vom Alter ab. Dazu später mehr.
So lief unsere Township Tour mit Camissa Travel ab
Wir haben unsere Tour über Getyourguide bei Camissa Travel* gebucht. Die Abholung am Hotel war für 8:30 Uhr angekündigt und unser Fahrer kam sogar zu früh.
Auf dem Weg nach Langa fuhren wir an District Six vorbei.
Unser Fahrer erzählte dabei viel zur Geschichte des Viertels und zur Zwangsumsiedlung während der Apartheid. Leider sprach er dabei sehr schnell und meistens Richtung Windschutzscheibe.
Es war sogar für mich schwer zu verstehen. Da kamen die Übersetzungskopfhörer* meines Sohnes natürlich erst recht nicht mit. Vieles davon ist deshalb an uns vorbeigegangen, was ich wirklich schade fand.
Die Fahrt dauerte ungefähr 35 Minuten.
In Langa angekommen wechselten wir zu einem zweiten Guide, der uns zu Fuß durch das Viertel führte.
Dieser sprach langsam und deutlich, sodass wir alle gut folgen konnten.
Bei Camissa Travel lässt sich zusätzlich ein Mittagessen bei einer Familie im Township dazubuchen. Wir haben uns dagegen entschieden, aber falls euch das interessiert, könnt ihr diese Option beim Buchen mit auswählen.
Zu Fuß durch Langa: vier Viertel, zwei Welten
Langa ist das älteste Township Kapstadts. Der Name bedeutet auf Xhosa so viel wie Sonne.
Unser Guide führte uns während der Tour durch die vier ganz unterschiedliche Viertel von Langa.
Ganz am Anfang waren wir bei den alten Hostels. Sie wurden ursprünglich in der Zeit der Apartheid für einzelne Wanderarbeiter gebaut. Heute sind diese mit mehreren Familien überbelegt: Drei Familien in einem kleinen Schlafzimmer mit nur zwei Betten und zusätzlich einem Gemeinschaftsraum.
Das nehmen wir selbst auf jede Reise mit. Und vielleicht bald auch ihr.
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Später kamen wir zu Wohnblöcken, die sehr ähnlich aussahen. Aber dort hatte jede Familie zumindest einen eigenen kleinen Bereich.

Aber wir sahen auch das extreme Gegenteil. Das dritte Viertel, das wir besucht haben, wird im Township selbst “Beverly Hills” genannt. Dort leben Menschen aus Langa, die es auf die Universität und zu guten Jobs geschafft haben.

Die Menschen aus “Beverly Hills” werden von der Community nicht als abgehoben oder verstoßen angesehen. Laut unserem Guide zeigen sie den anderen im Township täglich, was auch für sie möglich ist. Und wenn es hart auf hart kommt, unterstützen genau diese Familien die Gemeinschaft.
Am Ende kamen wir zu den Wellblechhütten, dem ärmsten Teil.
Diese werden oft als “illegal” bezeichnet. Das stimmt so aber nicht ganz. Es handelt sich nämlich um eine informelle Siedlung. Das heißt, dass die Häuser nicht offiziell geplant oder genehmigt wurden. Viele Bewohner haben aber trotzdem eine Art Nutzungsrecht oder stehen auf einer Warteliste für einen formellen Wohnplatz. Ein südafrikanisches Gesetz schützt sie sogar davor, einfach so geräumt zu werden.

Es bedeutet aber, dass sie kein fließendes Wasser und oft keine eigene Toilette haben.
Interessant fand ich den Gedanken meines Sohnes danach: Er meinte, wenn er wählen müsste, würde er lieber in einer Wellblechhütte leben als mit drei Familien in einem Zimmer.
Unser Guide erzählte uns auch viel zum Alltag in Langa.
Die Hauptgeschäftszweige vor Ort sind Barbershops, Friseursalons und Autowäschereien, ihr Hauptgeschäft machen sie am Wochenende. Eine Regel hat uns überrascht: Tagsüber dürfen Männer und Kinder nicht in den Unterkünften sein, nur Frauen bleiben zu dieser Zeit im Haus.

In Langa gibt es eine traditionelle Braustätte (Shebeen), in der Frauen ihr eigenes Bier brauen. Das Rezept wird von Generation zu Generation an die Tochter weitergegeben. Geöffnet ist die Shebeen nur am Wochenende. Deshalb war sie an unserem Tourtag geschlossen.

Auch an einem Friseursalon und einer Autowäscherei sind wir vorbeigekommen, die zu den Hauptgeschäftszweigen vor Ort zählen.

Kindergarten-Besuch, Hausbesuche und Craft Shop in Langa
Ein Höhepunkt für unseren Sohn war der Besuch in einem Kindergarten. Die Kinder dort haben für uns gesungen, und die Freude war auf beiden Seiten spürbar.

Wir waren außerdem in drei privaten Häusern zu Besuch. Vor jedem Foto fragte unser Guide die Bewohner ausdrücklich, ob es ok ist, wenn wir fotografieren. Erst dann haben wir die Kamera gehoben, und meist nur die Räume selbst, so gut das bei der geringen Größe möglich war.

Zusätzlich besuchten wir einen Craft Shop. Die Hälfte der Einnahmen daraus geht direkt an die Künstlerinnen und Künstler, die andere Hälfte an die Gemeinschaft. Unser Sohn hat sich dort einen kleinen Schlüsselanhänger aus Perlen mit der südafrikanischen Flagge ausgesucht.

Wie sich der Besuch im Township angefühlt hat
Zu keinem Zeitpunkt haben wir uns unwohl oder unsicher gefühlt. Wir konnten jederzeit Fragen stellen, und beide Guides haben offen geantwortet.
Die Menschen in Langa verstehen sich stark als Gemeinschaft und halten zusammen, so gut es geht.
Für uns alle, auch für unseren Sohn, war es wichtig, diese andere Seite von Kapstadt gesehen zu haben. Eine Seite, die von der Regierung eher versteckt gehalten wird. Es hat uns geholfen, unser eigenes Leben wieder mehr zu schätzen.

Praktische Tipps für eure Township Tour mit Kindern
Auf der Straße solltet ihr niemals direkt Geld an einzelne Personen geben. Das hat uns der Guide aber vorher noch einmal gesagt.
Spenden kann man aber direkt bei dem Besuch der Familien in den Häusern. Dieses Geld bleibt dann bei der jeweiligen Familie. Auch eine kleine Spende im Kindergarten und ein Einkauf im Craft Shop sind eine gute Möglichkeit. Dafür unbedingt genug Bargeld in kleinen Einheiten mitnehmen.
Nächstes Mal würden wir aber zusätzlich eine Kleinigkeit für die Kinder im Kindergarten mitbringen. Sie hätten sich sicher über Stifte oder kleines Spielzeug sehr gefreut. Daran haben wir dieses Mal leider nicht gedacht.
Ab welchem Alter ist eine Township Tour mit Kindern sinnvoll?
Unser Sohn ist elf und für ihn war die Tour genau richtig. Mit jüngeren Kindern als acht Jahren würden wir das nicht machen. Ich denke, dass es weder vom Verständnis noch vom Durchhaltevermögen her ideal ist.
Ein jüngeres Kind versteht die Lebensverhältnisse im Township oft noch nicht richtig. Und eine mehrstündige Tour mit viel Erzähltem verlangt auch einiges an Konzentration.
Aber am besten schätzt man sein Kind da selbst ein, ob es Sinn macht.
Unser Fazit
Der Teil zu Fuß durch Langa war für uns das Highlight. Es war ehrlich, persönlich und nah dran.
Wir sind mit einem besseren Verständnis für Südafrika aus dieser Tour gegangen, auch wenn während der Autofahrt nicht alles bei uns angekommen ist.
Für uns war es die richtige Entscheidung. Für jede Familie muss das aber eine eigene Abwägung bleiben.
Wenn du noch mehr über unsere Erlebnisse in Kapstadt lesen möchtest, schau bei diesem Beitrag vorbei.
Wart ihr schon mal auf einer Township Tour, oder habt ihr da ähnliche Bedenken wie wir vorher? Wie würdet ihr das Thema mit euren Kindern angehen? Ich freue mich auf eure Gedanken in den Kommentaren.
Liebe Grüße
Barbara
ÜBER MICH

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Hier blogge ich seit 2023 über erprobte Tipps für Reisen, Kindergeburtstage und Familienalltag. Alles getestet mit meinem Sohn, direkt aus unserem echten Familienleben.
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Häufig gestellte Fragen zur Township Tour Kapstadt mit Kindern
Ab welchem Alter ist eine Township Tour für Kinder geeignet?
Aus unserer Erfahrung eignet sich eine Township Tour ab etwa acht Jahren. Jüngere Kinder verstehen die Lebensumstände oft noch nicht richtig und haben Schwierigkeiten, die Dauer der Tour durchzuhalten.
Ist es respektlos, Fotos im Township zu machen?
Fotos sind in Ordnung, solange man vorher fragt. Bei unserer Tour hat der Guide vor jedem Foto ausdrücklich die Erlaubnis der jeweiligen Person eingeholt.
Sollte man den Menschen im Township Geld geben?
Geld direkt auf der Straße zu geben, wird von den meisten Guides und Anbietern abgeraten. Gezielte Spenden bei Hausbesuchen oder Einkäufe in lokalen Craft Shops kommen dagegen direkt bei den Menschen an.
Was unterscheidet Camissa Travel von anderen Anbietern?
Bei Camissa Travel leben die Guides selbst im Township und führen die Touren persönlich durch. Ein Teil der Einnahmen fließt direkt zurück in die Community.
Ist eine Township Tour in Kapstadt sicher?
Bei einer geführten Tour mit einem etablierten Anbieter wie Camissa Travel haben wir uns zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt. Von einem Besuch auf eigene Faust wird generell abgeraten.



